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Der Wunsch nach Normalität – psychoanalytische Anmerkungen zur Covid-19-Pandemie
Der Wunsch nach Normalität – psychoanalytische Anmerkungen zur Covid-19-Pandemie
Zur Veröffentlichung auf socialnet · 2021
Seit über einem Jahr prägt die COVID-19-Pandemie als größte gesellschaftliche Krise seit dem zweiten Weltkrieg das öffentliche und private Leben, selbstredend auch die therapeutische Praxis und die therapeutische Beziehung. Wie reagieren Menschen auf diese Bedrohung? Die Frage, ob die Coronapandemie spezifische psychische Effekte bewirkt oder ob die überfordernde und belastende Situation eher bereits bestehende Konflikte und Defizite verstärkt läßt sich kaum beantworten.
Es ist zu überlegen, auf welche psychische Dispositionen die Erfahrung von Ohnmacht und Hilflosigkeit und die Bedrohung durch Tod und schwere Krankheit, bzw. der Verzicht auf vertraute soziale Kontakte und gewohnte Intimität insbesondere bei jungen Menschen trifft. Es wird mittlerweile vermehrt davon berichtet, daß eine stärkere Nachfrage nach Psychotherapie zu verzeichnen sei. Unbeachtet bleibt dabei jedoch die hinter der krankheitswertigen Symptomatik anzunehmende unbewußte Psychodynamik.
Da das Individuum ein soziales und vergesellschaftetes Wesen ist, kann davon ausgegangen werden, daß sich die erfahrenen kulturellen und sozial-ökonomischen Bezogenheiten in seinem Charakter widerspiegeln mit dem er wiederum auf durch die Pandemie verursachte gesellschaftliche Veränderungen reagiert.
Die Betrachtung der unbewußten Psychodynamik aus der Perspektive der analytischen Sozialpsychologie ermöglicht ein Verständnis davon, wie gesellschaftliche Gruppierungen auf den bedrohlichen Covid-19-Fremdkörper reagieren. Anhand von exemplarischen Sitzungen einer gruppenanalytischen Behandlung mit Jugendlichen wird der Frage nachgegangen über welches psychische Wachstumspotential Jugendliche verfügen, um die aktuelle Krise zu bewältigen.
