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Psychoanalyse auf dem Marktplatz – Anmerkungen zur öffentlichen Bewertung therapeutischer Beziehungen
Psychoanalyse auf dem Marktplatz – Anmerkungen zur öffentlichen Bewertung therapeutischer Beziehungen
Bei der Gewinnung einer „inneren Einstellung“ zu meinem Thema überfiel mich schnell der Zweifel, ob der Kampf gegen die gesellschaftliche „Verrohung“ nicht schon längst verloren ist und es daher nicht verständlich wäre, darüber wegzusehen. Was hilft es, sich Gedanken zu machen und diese in Worte zu fassen, wenn doch die gesellschaftliche Normalität unumstößlich zu sein scheint und jede Reflexion erstickt. Doch: Es geht nicht weg, wenn man wegsieht.
Daher setze ich mich in meinem Beitrag mit dem Phänomen auseinander, dass die therapeutische Beziehung auf einschlägigen Bewertungsportalen in den sozialen Medien wie Bewertungen eines Warentauschs behandelt wird. Dabei rückt als zentrale Emotion neben unrealistischen Idealisierungen vor allem Hass in den Mittelpunkt.
Ich ordne dies ein als Ausdruck eines gesellschaftlichen Umbruchs, in dem wegen des Verlusts alter Werte, Normen und menschlicher Haltungen die öffentliche Präsentation der eigenen Befindlichkeit, auch des Hasses, zu einem identitätsstiftenden Lebensgefühl beitragen. Ich analysiere exemplarisch verschiedene öffentliche Bewertungen von Patienten und führe mögliche, imaginierte Antworten von Psychotherapeut:innen auf.
Schließlich will ich dazu anregen, sich mit dem Phänomen „Hate speech“ intensiver zu beschäftigen.
