Rezensionen
Boris Cyrulnik: Die mit den Wölfen heulen
Boris Cyrulnik: Die mit den Wölfen heulen
Das Thema des Buches ist brandaktuell in einer Zeit, in der rechtsradikale, demokratiefeindliche Gruppierungen in Deutschland Zulauf haben und autoritäre, lebensfeindliche Staatensysteme das Weltgeschehen bestimmen. Cyrulnik beschäftigt sich in seinem Buch mit der Pathologie der Normalität und zeigt auf, dass die Mehrheit der Mörder unter psychologischen Gesichtspunkten keine krankhaften Persönlichkeitsstrukturen aufweisen, also nicht geisteskrank, sondern normal sind.
Er geht in seinen Ausführungen ausführlich darauf ein, wie durch die Indoktrination diktatorischer Regime bereits die Seelen junger Kinder beeinflusst und die Identität der Menschen geprägt wird. Cyrulnik, dessen Eltern in den Vernichtungslagern der Nazis starben und der selbst in jungen Jahren nur mit Glück seiner Ermordung entging, lässt den Gedanken zu, dass unter dem Verdikt der Pathologie der Normalität auch er selbst ein fühlloser Henker oder Schreibtischtäter hätte sein können.
