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Psychoanalyse der Sucht – eine kritische Bilanz
Psychoanalyse der Sucht – eine kritische Bilanz
Psychoanalyse im Widerspruch, 2007, 18. Jg., Nr. 36
Die Entwicklung der Ich-Psychologie gab der Psychoanalyse der Sucht entscheidende Impulse, um therapeutische Zugangswege für die Behandlung von Suchtkranken mit ihrem Mangel an innerer Struktur finden. Die Annahme, dass bei Suchtkranken ein sogenanntes Normal-Ich nicht vorausgesetzt werden kann wurde bisher ebenso wenig in Frage gestellt, wie die Bereitschaft, Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen vorwiegend einem präödipalen Strukturniveau zuzuordnen.
Einwände gegen die Diagnostik sogenannter früher Störungen bleiben dabei ebenso unberücksichtigt, wie eine sich gegen ich-psychologische und objektbeziehungstheoretische Ansätze richtende Kritik. Eine kritische Analyse der Annahmen der psychoanalytischen Suchttheorie über die menschliche Natur und die psychische Entwicklung, über seelische Gesundheit und das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft offenbart eine vorwiegend konformistische Grundeinstellung.
Sie trägt zu der Fehleinschätzung bei, dass der Zustand der Konfliktlosigkeit auf einen Mangel an innerer Struktur hinweist. Übersehen wird die dahinter stehende Angst vor Individuation.
